Camino del Norte * Gijon * Ruhetag 1.9.2019

Pünktlich um fünf vor elf waren wir gestern am Busbahnhof, um nach Gijon zu fahren. Sehr belustigt waren wir darüber, welche Horde an Pilgern dort bereits wartete, um in den selben Bus zu steigen. Scheinbar wird diese Strecke gerne mit dem Bus zurück gelegt 😜

Jedenfalls dauerte die Busfahrt eine knappe Stunde und da die Busfahrerin sich sehr sportlich in die asturischen Serpentinen legte, brauchte ich in Gijon erstmal eine Cola, um wieder etwas Farbe ins Gesicht zu bekommen.

Heute war wieder großer Waschtag 👌🏻

Und morgen steht der Plan, wieder Richtung Santiago weiterzugehen. Der Husten löst sich schön langsam …

und wir finden, es ist jetzt genug mit krank sein 🙃

Camino del Norte * La Isla – Villaviciosa 22 Km 30.8.2019

Es klingt wie ein Klacks…. aber es war heftig heute. Sibylles Erkältung hatte ein Revival und meinte, seine Fühler nach mir ausstrecken zu müssen. So schleppten wir uns beide mit dröhnenden Köpfen und brennenden Füßen in diesen unspektakulären Ort namens Villaviciosa (der Name ließ irgendwie was anderes erhoffen).

Nun liegen wir hier platt und planen die nächsten Tage. Wir haben auch schon eine fantastische Idee 💡 welche sich aus folgenden Faktoren gesponnen hat:

1) Sibylle ist krank

2) ich bin Hypochonder

3) Villavicidiosa gefällt uns nicht

4) der Weg nach Gijon sind 34 km durch den Wald mit nur einer Pilgerherberge in der Mitte, in welche wir nicht wollen

5) Gijon ist schön 😍 und liegt am Meer 🌊

6) morgen und übermorgen soll es regnen

….. also 🥳 nehmen wir morgen den Bus nach Gijon und bleiben dort zwei Nächte, um hoffentlich wirklich mal gesund zu werden 🎉🎉🎉

Camino del Norte * Ribadesella – La Isla 18 Km 29.8.2019

Heute sind wir weiter gegangen. Sibylle ging es ganz gut… nur jetzt am Abend schwächelt sie wieder ein bisschen. Leider sind unsere Rucksäcke momentan wieder etwas schwerer (wir hatten vergessen, zu erwähnen, dass wir drei Kilo diversen unnötigen Kram schon vor zwei Wochen per Post nach Santiago geschickt haben, um nicht so schwer zu tragen). Nun haben wir aber beschlossen, unsere Tagesration an Salat selbst zu machen, damit er uns erstens wirklich schmeckt und zweitens kein Vermögen kostet. Deswegen schleppen wir nun eine große Schüssel, Öl, Essig, Salz und Pfeffer mit uns. (Natürlich nicht im Glas…. trotzdem schwer) … aber es schmeckt 🥳

Außerdem habe ich meinen Schuhen neue Einlagen gegönnt und schwebe nun quasi wie auf Wolken ☁️😎 die alten waren schon etwas eklig 🤢

Unser Ausblick aus dem Stockbett unserer Pilgerherberge (ja… wir sind tatsächlich wieder in einer gelandet 😅 und haben hier sehr nette Leute kennengelernt 👍🏼)ist sehr hübsch heute

Rüdi, Anna und wir zwei 🙃

Camino del Norte * Ribadesella -Ruhetag 2 😊 28.8.2019

Wir haben lange geschlafen – bis halb zehn 😅 gemütlich einen Kaffee getrunken und auf dem Markt geschlendert. Haare gefärbt (jetzt schauen wir wieder jung aus) und einen kleinen Spaziergang gemacht. Sibylle geht es etwas besser, so dass wir morgen weiter wandern werden. Ich könnte mich hier in Ribadesella gerade so richtig wohl fühlen…. nettes Dörfchen 😍

Camino del Norte * Ribadesella – Ruhetag 27.8.2019

Sibylle ist seit gestern Abend krank 🤒 Halsweh, Husten und Kopfschmerzen. Deswegen sind wir von unserer fensterlosen Besenkammer in ein schönes Krankenzimmer umgezogen und haben entschieden, in diesem schönen Städtchen eine Pause einzulegen. Während Sibylle sich im Bett auskuriert, genieße ich einfach mal das Nichtstun, hab mal wieder ein bisschen gesungen und lasse meine Blase ausheilen. Für morgen haben wir das Zimmer gleich nochmal mitgebucht… so dass wir so richtig schön viel Zeit zum erholen haben. Das ist so schön, dass wir krank sein dürfen… kein: ich muss funktionieren! – ok… im ersten Moment kam schon der Gedanke: hey, wir müssen doch weiter gehen… aber umso schöner war dann die darauf folgende Erkenntnis, dass wir gar nichts müssen 🥳

Camino del Norte * Llanes – Nueva 18 Km 25.8.2019

Anfangs sind wir ja sehr motiviert in aller Herrgottsfrüh mit all den anderen Pilgern spätestens um 6.30 Uhr in den Tag gestartet … teilweise sogar noch im Dunkeln losgelaufen. Inzwischen sind wir jeden Tag die Letzten, die die Herberge verlassen… meist so gegen acht, halb neun.

Für mich ist das auch sehr prima so 🙃 aber seit Sibylle gestern von einem Mitpilger so wunderbare Sonnenaufgangsfotos gesehen hat, steht der Plan, wieder früher aufzubrechen. Der Kompromiss ist der, dass wir das erst umsetzen, wenn wieder ein Sonnentag ansteht. Die nächsten drei Tage soll es regnen 😅

Camino del Norte * Pendueles – Llanes 15 Km 24.8.2019

Entschleunigen – ein schönes Wort. Doch irgendwie gerade ungreifbar für mich.

Die Zeit vergeht immer schneller…sogar mein 13 jähriger Schüler ( Hallo Elias!🙃)hat das schon bemerkt und in einer seiner letzten Stunden zum Thema gemacht. Irgendwie fühlt sich das Leben manchmal nur noch so an, als würde man im Affenzahn eine Seite seines Lebensbuches nach der anderen umblättern. Und immer wieder ist Montag, immer wieder Freitag… immer der gleiche Turnus…. unaufhaltsam…. Woche für Woche, Jahr um Jahr.

Dem wollte ich mit meiner Auszeit eine Bremse reinhauen… ohne zu wissen, wie… mir spukte nur das Wort „Entschleunigen“ im Kopf rum.

Und nun,… nach drei Wochen Jakobsweg (der ja Entschleunigen sollte) überlege ich, wie das eigentlich ausschauen soll – dieses „Langsamer“.

Zuhause verging die Zeit besonders schnell, wenn wir uns mal ein Wochenende lang nichts vorgenommen haben… lange geschlafen, getrödelt, bisschen ferngeguckt…. und schwups: Zeit vorbei!

Also: weniger tun ist nicht unbedingt Entschleunigen🤓

Aber auch wenn die Woche vollgepackt war mit Alltag und zusätzlichen Aufgaben und Projekten verflog sie wie nichts.

Hier auf dem Weg ist jeder Tag und vor allem jeder Abend anders. Was wir vor zwei Wochen erlebt haben, wirkt schon so weit weg und teilweise fällt es uns schwer, uns zu erinnern. Unsere Hochzeit vor erst einem Monat ist so unglaublich weit weg!!! ( aber an die können wir uns trotzdem gut erinnern 😅) Es scheint also aufzugehen… die Zeit wird intensiver und somit erscheint sie länger!

Ich dachte ja eigentlich, dass Entschleunigen eher mit weniger Reizen und Einflüssen einhergeht… irgendwie bin ich gerade etwas verwirrt 🤷‍♀️

Aber es fühlt sich gut an 🥳

Camino del Norte * Serdio – Pendueles 19 Km 23.8.2019

Eine neue Lektion habe ich gestern in der Pilgerherberge bekommen: ich muss klarer und stärker meine Meinung vertreten! Wer mich kennt, weiß, dass ich in der Nacht immer mit offenem Fenster schlafe… ansonsten bekomme ich Atemprobleme und kann nicht schlafen. Schon erstrecht wenn 20 andere mit mir im Zimmer schlafen. Gestern Abend lag ein Mann ( in meinem Alter) im Stockbett unter mir. Als er sich ins Bett legte, hat er gleich mal das Fenster geschlossen. Auf meine Bitte, das Fenster offen zu lassen, meinte er, dass es ja sooo kalt sei… vorallem unten im Zimmer. Und das hat er so resolut und entschlossen geäußert, dass ich nur “ ok“ gesagt hab. Die Folge war, dass er innerhalb von 10 Minuten geschnarcht hat wie ein Walross, so dass mir die Ohren samt Oropax fast abgefallen sind und außerdem habe ich tatsächlich nach Luft gejapst – trotz fünf Sprühstößen aus meinem Asthma Spray. Heute morgen ist er munter und erholt aus dem Bett gesprungen, während ich komplett gerädert war.

Die Moral:

1) Formuliere klar und selbstsicher deine Belange

2) geh nicht mehr in Pilgerherbergen

Schon früh am Nachmittag waren wir in Serdio, so konnten wir die Sonne ☀️ an den wunderschönen Klippen hier mit einer Flasche Wein genießen🌸